Im Zusammenhang mit den Erinnerungs- und Gedenkver-
anstaltungen zum 60. Jahrestag des Kriegsendes 1945 haben der Senat und das Abgeord­netenhaus von Berlin gemeinsam den Verein Aktives Museum gebeten, eine Ausstellung über die Lebensgeschichten der zwischen 1933 und 1945 verfolgten und ermordeten Berliner Stadtverordneten und Magistratsmitglieder zu erarbeiten. Diese Ausstellung dokumentiert anhand von 32 ausgewählten Biografien mit persönlichen Zeugnissen, Bildern und Dokumenten die Lebenswege von Parlamentariern und Kommunalpolitikern, die aus ganz unterschiedlichen Gründen verfolgt wurden, ins Exil gingen oder Haft und Tod erleiden mussten. Sie zeigt exemplarisch auch, wie die parlamenta­rische Demokratie in Deutschland 1933 zerstört wurde. Dies geschieht in Form einer Chronik der Geschichte des Berliner Stadtparlaments, das am 20. März 1919 erstmals im Berliner Rathaus zusammentrat und am 27. Juni 1933 zu seiner letzten Sitzung zusammenkam.

Die Ausstellung basiert auf der Vorarbeit des Projekts »Ermordete und verfolgte Berliner Stadtverordnete und Magistratsmitglieder der Weimarer Republik«, das auf Initiative der Fraktion der »Alternativen Liste« im Berliner Abgeordnetenhaus 1985 zustande kam. Seinerzeit hatten unter der Leitung von Theo Pirker, Klaus Sühl und Ulrich Schulze-Marmeling Historiker und Politologen am Zentralinstitut für sozialwissenschaftliche Forschung der Freien Universität Berlin etwa 300 Biografien von verfolgten Berliner Stadtverordneten recherchiert. Die Ergebnisse konnten 1989 jedoch nur als Drucksache des Abge­ord­netenhauses veröffentlicht werden. Durch die Zusammenführung der Archive nach 1990 ist es möglich geworden, wesentliche Lücken dieser ver­dienstvollen Forschungsarbeit zu schließen.

Der Verein Aktives Museum, der sich seit 1983 besonders der Berliner Geschichte der Verfolgung, des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus und der Emigration widmet, knüpft mit dem biografischen Ansatz dieser Ausstellung an die 1995 und 2000 gezeigten Ausstellungen »1945: Jetzt wohin?« und »Haymatloz – Exil in der Türkei 1933 – 1945« an. Eine Ar­beits­gruppe des Vereins, der Ursula Büchau, Katja Döhnel, Christine Fischer-Defoy, Andreas Herbst, Sabine Hillebrecht, Christiane Hoss, Christine Kühnl-Sager, Rita Meyhöfer, Kaspar Nürnberg, Dietlinde Peters, Monica Puginier, Monika Richarz, Heike Stange und Marianne Wüst angehörten, hat über zwei Jahre hinweg diese 1989 abgebrochenen Recherchen fortgesetzt und neue Materialien aus dem persönlichen Besitz von Angehörigen der Verfolgten, aus Standesämtern und Entschädigungsbehörden sowie den Beständen des Berliner Landesarchivs erschlossen. Aus der Fülle der Materialien wurde für diese Ausstellung eine Auswahl getroffen, die gleichwohl das breite Spektrum der Verfolgungsmaßnahmen widerspiegelt.

In einer Datenbank wurden bereits zur Ausstellung im Herbst 2005 Recherche-Ergebnisse vorgestellt. Hier können Ausstellungs-
besucher am Computer eigenhändig nach unterschiedlichen Such-
begriffen über biogra­fische Daten, aber auch über bezirkliche oder politische Zuordnungen, über Herkunft und Beruf der verfolgten Abgeordneten und Magistratsmitglieder Auskunft erhalten. Dieses Programm wird fortlaufend aktualisiert.

Das gestalterische Konzept wurde von Bettina Kubanek zusammen mit Petra Müller (museumsfreunde) erarbeitet und realisiert.

Ausstellung und Buch wurden aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin sowie des Abgeordnetenhauses und des Senats von Berlin finanziert. Wir danken der WALL AG für die Unterstützung der Öffentlichkeitsarbeit.