„Als sich für uns die Tore des ‚Alex’ öffneten...“

Der Verein Aktives Museum erforscht Biographie der Berliner Stadtverwaltung im Nationalsozialismus

Wir können uns nicht vorstellen, welche Lücken in den Jahren von 1933 bis 1945 mutwillig in die geistige und körperliche Kraft des deutschen Volkes gerissen wurden, wenn wir nicht die Lebenswege einzelner Menschen kennen. Christine Fischer-Defoy, Christiane Hoss und Andreas Herbst vom Verein Aktives Museum e. V: beschreiben die Berliner Stadtverordnetenversammlung in der Zeit von 1870 bis 1933, berichten über die geographische und soziale Herkunft der Mitglieder und deren Verfolgung seit 1933. Auf über 250 Seiten haben sie mit weiteren Autorinnen Biographien der Verfolgten erarbeitet.
Die Bedrohung, die Arbeit zu verlieren, erfahren in unseren Tagen viele Menschen. Niemand jedoch muss fürchten, aus ethnischen, religiösen und politischen Gründen vor die Tür gesetzt zu werden. 1933 wurde das Recht abgeschafft. Fritz Elsas, langjähriger Vizepräsident des Deutschen Städtetages, wurde denunziert, misshandeln und im Konzentrationslager Sachsenhausen erschossen. Hilde Radusch, Mitglied der KPD, überlebte Inhaftierungen im Frauengefängnis in der Barnimstraße, im Polizeipräsidium am Alexanderplatz. In den siebziger Jahren engagierte sie sich in der Frauenbewegung.
Die Zahl der Berliner Straßen würde nicht ausreichen, wollte man sie nach jenen Menschen benennen, die der nationalsozialistische Unrechtsstaat bedrohte, quälte und ermordete. Das Denk-Buch des Vereins Aktives Museum holt viele von ihnen in die Erinnerung zurück.

Berliner Lindenblatt. Die Zeitung für Berliner Geschichte. Oktober 2006-10-13